
Wir sprachen mit VertreterInnen von Umweltorganisationen, die die Verhandlungen intensiv begleiteten (Interviews folgen).
Die Konferenzdelegierten werden vor dem Eingang des Maritim-Hotels begrüßt...
...um gegen die Aufnahme der Atomenergie als Klimaschutzmaßnahme in den Verhandlungsdokumenten zu protestieren.
Antiatombonn, Termin
Interview mit Ulrike Roehr von gender cc – women for climate justice
antiatombonn:
Kannst du die Arbeit deiner Organisation kurz vorstellen?
Ulrike Roehr:
gender cc – women for climate justice ist ein internationals Netzwerk von Frauen, Frauenorganisationen und Genderexpertinnen, die dafür kämpfen, dass die Klimaverhandlungen gendersensibel werden und dass wir das verhindern - wogegen die Frauen schon lange kämpfen – dass die Atomenergie nicht in die Klimaverhandlungen einbezogen wird bzw. Atomenergie nicht als ein Mittel zur Verhinderung des Klimawandels angesehen wird. Wir wollen, dass unsere Kinder und Kindeskinder auch noch leben können auf unserem Planeten.
antiatombonn:
Du warst die letzten Tage hier auf der Konferenz in Bonn. Was ist dein Eindruck: War die Konferenz erfolgreich?
Ulrike Roehr:
Das ist eine schwierige Frage. Meiner Meinung nach können diese Konferenzen derzeit kaum erfolgreich sein. Es verhandeln sehr viele Staaten und jeder will was anderes. Dabei ist es schwierig, Erfolg zu definieren. Die Trauben hängen relativ hoch. Das was erreicht werden müsste, ist relativ viel, und das, was erreicht werden kann, der Konsens zwischen diesen sehr unterschiedlichen Ländern, wird zu wenig sein. Worüber wir uns am meisten sorgen, ist ein Abkommen - hier in Bonn wird es noch kein Ergebnis geben, das Ergebnis ist ja erst für Kopenhagen geplant - das so schlecht ist, dass man es eigentlich nicht mehr ein Ergebnis nennen kann. Unser Eindruck hier bei der Konferenz ist, dass die NGOs, die Zivilgesellschaft sehr präsent sind. Ich war von Anfang an dabei. Früher war es ganz anders, es waren kleinere Konferenzen, wo man vertrauensvoller miteinander umging. Jetzt habe ich den Eindruck, es wird größer, wobei wesentlich mehr protestiert wird - was ich wunderbar finde - es wird Druck gemacht auf die Konferenz, aber ob sich das niederschlägt in den Verhandlungsergebnissen, oder ob nur CO2 verbraucht wird, weil so viele mit nicht umweltverträglichen Verkehrsmitteln anreisen. Da bin ich mir noch nicht so sicher.
antiatombonn:
Wir sind eine Bonner Antiatomgruppe. Was könnten wir tun, um einen – wenn auch kleinen Einfluss – auf die Konferenz und das Klimaabkommen in Kopenhagen zu haben?
Ulrike Roehr:
Ich persönlich bin auch von einem deutschen Netzwerk "genanet", Frauen, Umwelt, Nachhaltigkeit, das einen Schwerpunkt auf den Kampf gegen Atomenergie hat und Frauen dazu aufruft, sich wieder stärker gegen Atomenergie zu äußern. Ich denke, was wir derzeit machen können, ist Leute zu mobilisieren, ihre Kreuzchen bei Parteien zu machen, die nicht für Atomenergie sind und sich massiv dazu verpflichten, den Ausstieg aus der Atomenergie zu unterstützen und Atomenergie nicht unter dem Vorwand des Klimaschutzes weiter betreiben wollen. Andere Möglichkeiten sind: Initiativen wie "atomausstieg selbermachen" unterstützen, Ökostrom beziehen und wirklich selber etwas tun.
Es kommt darauf an, dass wir alle willens sind, etwas zu verändern und nicht nur auf die Politik und die großen Industrien schauen und sagen, die müssen zuerst handeln. Ich will damit nicht das Problem individualisieren, aber wir müssen an unseren Lebensstilen arbeiten. Sei es in Bonn oder Lüneburg - wo ich herkomme - oder sonst wo: Wenn wir unsere Lebensstile nicht ändern, dann wird das nicht zu Erfolgen führen. Das Problem ist die Kluft zwischen den Industrieländern und den Entwicklungsländern. Seit Generationen beuten wir Entwicklungsländer aus, die nun mit den Folgen des Klimawandels leben müssen, obwohl sie fast nichts dazu beigetragen haben. Es ist so, dass die ärmsten am meisten leiden und unter diesen wieder am meisten die Frauen. Was wir für unsere Glaubwürdigkeit tun müssen ist radikaler Wechsel unserer Lebensstile.
Antiatombonn:
Ulrike, vielen Dank für das Gespräch.
asdf